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Das Manuskript meiner Dankesrede anlässlich der Verleihung der Goldenen Schwalbe der ÖDP in Aachen

Danke an Marita Dresen, von Zwangsvertreibung durch den Kohlekonzern RWE bedrohte Anwohnerin aus Kuckum am Tagebau Garzweiler, die sich im Bündnis Alle Dörfer bleiben engagiert, und die diesen Preis für unsere Bewegung entgegen nimmt und meine Dankesrede hält

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe klimabewegte Mitstreiter und Mitstreiterinnen,

vielen Dank für die Verleihung der Goldenen Schwalbe und die damit zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung gegenüber meiner und unserer Arbeit.

Die „Goldene Schwalbe“, heißt es, erhalten diejenigen, die sich für Demokratie, Ökologie und das Gemeinwohl verdient gemacht haben und kein Mitglied dieser Partei sind. Das möchte ich betonen, denn wir befinden uns ja aktuell im EU Wahlkampf, und Überparteilichkeit ist mir wichtig. Und daher freue ich mich, dass ich heute gemeinsam mit Gert Schinkel und Michael Zobel, und nach so namhaften Preisträgern wie dem Journalisten Dr. Franz Alt und Wolf von Fabeck, dem Mitbegründer und Geschäftsführer des Solarenergie-Förderverein Deutschland e. V., auch diesen Preis entgegen nehmen darf. Zugleich entschuldige ich mich dafür, dass ich aufgrund einer zeitgleich in Berlin stattfinden Veranstaltung heute nicht persönlich hier sein kann.

Ein solcher Preis ist immer eine Auszeichnung, gibt kurz die Möglichkeit dankbar auf das Erreichte zurückzublicken und ist zugleich Ansporn und Verpflichtung nicht nachzulassen im Engagement und Streiten für eine klima- und lebensfreundliche Zukunft. Wir engagieren uns für den überlebensnotwendigen schnellen Braunkohleausstieg, für die Rettung des Hambacher Waldes und für den Erhalt bedrohter Dörfer.

Die Regisseurin Karin de Miguel, deren Film DIE ROTE LINIE am Sonntag beim Dokumentar-Filmfestival in München Weltpremiere feiert und dann ab 23. Mai bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen ist, spricht davon, dass rund um Wald und Dörfer eine Bürgerbewegung entstanden ist.

Ja, so ist es: Wir sind dabei ganz viele geworden und werden immer noch mehr. Und es ist ein sehr gutes Gefühl ein Teil dieser wunderbaren Bewegung zu sein. Einer von den an die hunderttausend Menschen, die allein im vergangenen Jahr zwischen September und November am und um den Hambacher Wald für den Erhalt des Waldes und der Dörfer dort auf die Straße gegangen sind.  Und genau für all diese Menschen, für die ich nur stellvertretend stehe, nehme ich gerne die Goldene Schwalbe entgegen.

Insbesondere natürlich für all diejenigen, die hier im Rheinischen Revier schon seit Jahrzehnten kohlekritisch arbeiten, mit viel Expertise, Herzblut und Kreativität: die Anwohner und Anwohnerinnen. Die Menschen von hier. Viele engagierte Einzelpersonen und Familien, aber auch Menschen, die sich in Vereinen, Bürgerinitiativen, Verbänden oder anderen Gruppen organisieren. Darunter sind auch direkt betroffene Menschen. Menschen, denen große Opfer abverlangt wurden und unverständlicherweise immer noch werden.

Deshalb danke ich auch Marita, dass sie den Preis für uns entgegen nimmt. Sie und ihre Familie sowie weitere Menschen in fünf Dörfern allein am Tagebau Garzweiler sind von Zwangsvertreibung durch den Kohlekonzern RWE bedroht. Marita ist Anwohnerin aus Kuckum am Tagebau Garzweiler. Sie wehrt sich gegen Zwangsumsiedlung und engagiert sich auch im Bündnis „Alle Dörfer bleiben“.  Sie ist ein Beispiel für Menschen, die unter den Tagebauen und den Kohlekraftwerken leiden: physisch, psychisch und auch ökonomisch. Menschen, deren intakte soziale Dorfstrukturen zerstört werden, der soziale Zusammenhalt geraubt wird, denen die Heimat, das geschützte Zuhause ganz weggenommen werden soll. Und das trotz des Kohlekompromisses in Deutschland.

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

wer wie der Kohlekonzern RWE, aber auch große Teile der Politik, trotz des Kohlekompromisses an der Vernichtung von Dörfern festhält und die Möglichkeit des Erhaltes des Hambacher Waldes in Frage stellt, zeigt, dass er weder zukunftsfähig ist, noch bereit ist gesellschaftliche und klimapolitische Verantwortung zu übernehmen. Daher werden wir uns weiter engagieren: überparteilich als breites gesellschaftliches Bündnis, als eine Bürgerbewegung, die immun ist gegen Spaltungsversuche der aktuellen Landesregierung mit ihrer schändlichen „Wald oder Dörfer Rhetorik“. Als eine Gemeinschaft, die solidarisch zusammensteht für alle, die von der Kohleverstromung und Klimakrise bedroht sind. Hier und weltweit. Machen sie mit, engagieren und empören Sie sich mit uns: damit der Wald und alle Dörfer bleiben.

Danke.

Ihre und Eure Antje Grothus

 

 

 

 

 

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